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    Prof. Karl Clauss Dietel verstorben

    Karl Clauss Dietel (geb. 1934) verstarb am 2. Jan. 2022 in Chemnitz

    Er legte großen Wert darauf, kein Designer zu sein. Gestalter war er.

    Er wollte Dinge gestalten, die langlebig, selbsterklärend, logisch und trotzdem schön sind. Und er prägte mit seinem „offenen Prinzip“ zahllose noch heute bekannte Produkte. Schreibmaschinen von Erika, Simson-Mopeds, Fahrzeugstudien, Industrieanlagen und Außengestaltung in Städten.

    Besonders bekannt wurden seine Gestaltungen von Rundfunkgeräten und Lautsprechern der Firma Heliradio aus Limbach-Oberfrohna.

    Karl Clauss Dietel studierte in den 1950er Jahren an der Kunsthochschule Berlin- Weißensee. Zu seinen Lehrern gehörten die Bauhäusler Selman Selmanagic und Ernst Rudolf Vogenauer. Hier verinnerlichte er den gestalterischen Grundsatz „die Form folgt der Funktion“ und entwickelte ihn zu seinem „offenen Prinzip“ weiter.

    Das Rundfunkgerät rk5 sensit mit seinen Kugellautsprechern K20 (Bild oben) spiegeln diese Idee wider. So entstand bei dem kleinen Rundfunkgerätehersteller Heliradio bereits 1969 dieser hochmoderne Receiver mit lackiertem Stahlblechgehäuse, klar gegliederten Bedienelementen und einer „Bedienlogik“: Gelber Knopf für gelben Skalenzeiger ist gleich AM, grüner Knopf, grüner Zeiger ist gleich FM, Rot bedeutet Lautstärke. Selbst bei den Nachfolgeserien bis 1989 findet sich diese Logik. Die Bedienfelder haben eigene, unverwechselbare Formen, die selbst im Dunkeln zu ertasten sind und somit eine Bedienung möglich machen.

    Die Kugelbox K20 aus Pappmache auf Kunststoffring war seine geniale Lösung, einen Lautsprecher im Raum völlig frei ausrichten zu können.

    Zu seinen gestalterischen Leistungen auf dem Rundfunksektor zählten ebenso die Geräte der Bausteinreihe 66, die zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten aller Komponenten ermöglichte. Sie war das Schmuckstück moderner und gestaltungsbewußter Haushalte – so man sie sich leisten konnte und überhaupt bekam. Gestalterisch waren sie Ausdruck der Moderne pur.

    Auch das Innenleben seiner Entwürfe ist modular aufgebaut. So können einzelne Komponenten ausgetauscht oder sogar erweitert werden. Wenn es der Geldbeutel zuließ, konnte so aus einem Mono-Gerät ein Stereo-Gerät werden oder eine weitere Komponente passend dazugekauft werden.

    Einen neuen Weg schlug er mit seinem Heli rk90 cubus ein. Dieser war im Ruhezustand eine „Blackbox“ und erwachte erst nach dem Einschalten auch optisch zum Leben. Aber selbst dieses Gerät vertritt in seinem Inneren das „offene Prinzip“. Wie seine Vorgänger wirkt ein Blick ins Innere wie in einen „Metallbaukasten“. Alles kann man darin verändern oder tauschen. Neue Entwicklungen, Erweiterungen oder modernere Komponenten könnten hier problemlos einen Platz finden. Der rk90 cubus wurde auf der 10. Kunstausstellung prämiert und nur noch als Muster gefertigt. Er zählt heute zu den gesuchtesten Sammlerobjekten und wird von interessanten Geschichten und auch Mythen begleitet. Er hätte ein eigenes Buch verdient.

    Dietel arbeitete für Heliradio mit Lutz Rudolph und zeitweise Dieter von Amende zusammen. Das Trio gehörte zu den wenigen freiberuflichen Produktgestaltern in der DDR. So entstanden für Heli die bekannten Boxen der K-Reihe, von der kleinen K6 bis zur K35, Studioboxen und die heute seltene, experimentelle Box K24 aus PUR-Schaum. Viele seiner Ideen kamen nicht in die Produktion, manches blieb auf der Strecke, anderes durfte nicht weiterentwickelt werden. So endete der innovative „Programat“ in der Schublade, das Messgerät DM1, die Box K7 und weitere Entwürfe in PUR-Schaum schafften es ebenfalls nicht.

    Dabei war Karl Clauss Dietel sein Leben lang ein Kämpfer im Sinne seiner Idee. Noch im Alter von 87 Jahren war er kein bisschen leise, immer noch streitbar und in seiner Wahlheimat Chemnitz ein Verfechter der Moderne, des gesunden Menschenverstandes, respektvollen und menschlichen Miteinanders und seiner Idee von „Guter Form“.

    2014 wurde der Gestalter Dietel mit dem Designpreis der Bundesrepublik für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Heute stehen die Radios und Boxen von Heliradio in den renommiertesten Museen der Welt. Sie sind vom Liebehaberstück einzelner Kulturbegeisterter zum Kulturgut geworden. Und ihre Funktion erklären sie dem Nutzer noch heute auch ohne Bedienungsanleitung – durch ihre Form.

    Sehr zu empfehlen ist die Seite www.heliradio.de unseres Mitgliedes Hartmut Schmidt.

    Text: Berthold Grenz

    Berthold Grenz sammelt seit der Wende 1989 insbesondere Geräte der Firma Heli aus Limbach-Oberfrohna. Karl Clauss Dietel besuchte seine Sammlung und sie trafen sich auch in dessen Atelier. 2014 organisierte er gemeinsam mit Prof. Karl Clauss Dietel und dem ehemaligen Entwicklungsingenieur von Heli und Freund, Klaus Dietz, (ebenfalls GFGF) die Ausstellung „Heliradio-Moderne in Limbach“ (Funkgeschichte 214/2014).

    Mail: vollbart2@icloud.com